3. Gutachterentwurf Zielfahrplan Deutschland-Takt

Veröffentlicht von nwt-devjun am

Der aktuelle Stand für Jena erklärt

Im Oktober 2018 hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) erstmals seine Pläne zum Deutschland-Takt vorgestellt. Eine grundsätzliche Erklärung sowie eine Beschreibung zum damaligen Planstand sind hier nachzulesen.

Seitdem wurde der Plan konstant fortschrieben. Die aktuelle Fassung ist der 3. Gutachterentwurf vom 30.6.2020. Für Jena sieht dieser Entwurf das folgende Angebot vor:

Fernverkehr

FR 16.a Karlsruhe – Stuttgart – Nürnberg – Jena – Leipzig

Die Linie soll mit Spitzengeschwindigkeiten bis 200km/h alle zwei Stunden (zwischen Nürnberg und Karlsruhe als FR 16 stündlich) verkehren.

FR 36.a Aachen – Köln – Düsseldorf – Kassel – Jena – Chemnitz

Die Linie soll mit Geschwindigkeiten bis 160km/h alle zwei Stunden verkehren (zwischen Eisenach und Aachen unter der Bezeichnung FR 36 stündlich). Der Entwurf lässt allerdings offen, ob die Linie im Abschnitt Erfurt – Jena – Chemnitz überhaupt verkehren soll. Sie trägt den Vermerk „Führung der FR-Linie in Trasse des E 1 TH im Rahmen eines Kombimodells möglich“. Das bedeutet, dass nur eine der beiden Linien verkehren kann. Wenn die Linie E 1 TH fahren würde, könnte die Linie FR 36.a nur im Abschnitt Aachen – Erfurt verkehren und würde Jena, Gera und Chemnitz nicht anbinden.

Beide FR-Linien haben zwei Halte in Jena, jeweils an einem Innenstadtbahnhof (Jena Paradies bzw. Jena West) sowie in Jena-Göschwitz. Dabei erreicht die Linie FR 16.a Jena etwa zur vollen Stunde, die Linie FR 36.a hingegen etwa zur halben Stunde.

Nahverkehr

E 9 TH Saalfeld – Jena – Leipzig

Zweistündlicher Regionalexpresszug, der fast minutengenau um eine Stunde versetzt zur FR-Linie 16.a verkehrt und damit den Stundentakt auf der Relation Saalfeld – Jena – Leipzig herstellt. Im Unterschied zur FR-Linie bedient er jedoch weitere Zwischenhalte, womit zum Beispiel auch umsteigefreie Verbindungen zwischen Rudolstadt, Kahla und Leipzig hergestellt werden.

E 19.2 TH Saalfeld – Jena – Halle

Stündlicher Regionalexpresszug. Zwischen Saalfeld, Jena und Bad Kösen bedient der Zug alle Bahnhöfe und fungiert damit faktisch als Regionalbahn. In Naumburg findet eine Flügelung mit einem Zugteil aus Erfurt statt; von dort bis Halle verkehrt der Zug dann tatsächlich als Expresszug.

N 52 TH Jena-Saalbahnhof – Pößneck u.B.

Die Linie entspricht der heutigen EB 28 und ist im Plan mit einem Stundentakt enthalten.

E 1 TH Göttingen – Jena – Chemnitz/Zwickau

Zweistündlicher Regionalexpresszug, der dem heutigen RE 1 entspricht, jedoch an seinem östlichen Ende wieder bis nach Chemnitz bzw. Zwickau verlängert werden soll. Die Flügelung soll in Gößnitz stattfinden. Der Entwurf läßt offen, ob die Linie im Abschnitt Erfurt – Jena – Chemnitz tatsächlich verkehren soll. Die FR-Linie 36.a trägt darin den Vermerk „Führung der FR-Linie in Trasse des E 1 TH im Rahmen eines Kombimodells möglich“. Das bedeutet, dass nur eine der beiden Linien verkehren kann. Wenn die FR-Linie fahren würde, könnte Linie E 1 TH nur im Abschnitt Göttingen – Erfurt verkehren und der Flügelzug Gößnitz – Zwickau entfiele.

E 3 TH Göttingen – Jena – Altenburg

Zweistündlicher Regionalexpresszug, der dem heutigen RE 3 entspricht, jedoch an seinem westlichen Ende bis nach Göttingen verlängert werden soll. Er verkehrt um eine Stunde versetzt zum E 1 TH bzw. FR 36.a und bildet einen Stundentakt.

N 21.a TH Erfurt – Jena – Gera

Stündliche Regionalbahn, die der heutigen EB21 entspricht.

N 21.b TH Weimar – Jena-Göschwitz

Stündliche Regionalbahn, die um etwa 30 Minuten versetzt zur N 21.a verkehrt und damit den Regionalbahn-Halbstundentakt auf der Relation Weimar – Jena herstellt.

Weitere Details sind den Netzgrafiken Fernverkehr und Südost zu entnehmen.

Bewertung für Jena

Der 3. Gutachterentwurf fällt deutlich weniger ambitioniert aus als die ersten beiden Entwürfe und bringt für Jenas Bahnanbindung kaum noch Fortschritte. Zwar sind weiterhin zwei regionale Fernlinien über Jena geplant; diese wurden jedoch stark entwertet:

  • Entfall der umsteigefeien Direktverbindungen nach Berlin, Rostock, Dresden und München
  • Verschlechterte Reisezeiten auf den Verbindungen nach Nürnberg, Chemnitz und Aachen
  • Unattraktiv lange Umsteigezeiten zum Fernverkehr in den ICE-Knoten Nürnberg und Erfurt

Dabei ist noch völlig unklar, ob die Linie 36.a Jena überhaupt anbinden soll, denn die Trassenkonkurrenz zwischen der Fernlinie Aachen – Chemnitz und dem Regionalexpress Göttingen – Chemnitz bedingt auf jeden Fall einen weiteren verkehrlichen Verlust: entweder entfallen später auch noch die umsteigefreien Verbindungen nach Aachen, Köln und Düsseldorf oder die Anbindung an den ICE in Göttingen. Unverständlich ist auch, warum die Linie FR 16.a in Leipzig keine Durchbindung auf die Linie FR 3 bekommen hat, obwohl gleicher Zugtyp und passende Übergangszeit dies geradezu nahelegen. Damit wäre zumindest die Direktverbindung nach Berlin noch gegeben, dem – neben Frankfurt – wichtigsten innerdeutschen Fernziel für Jena.

Im Nahverkehr fällt auf, dass in Jena und Saalfeld nahezu keine Anschlüsse von und zu den FR-Linien hergestellt werden. Damit bleibt der Nutzen der Linien regional beschränkt und den Fernzügen gehen Reisende verloren.

Was muss jetzt getan werden?

Der Entwurf muss mindestens an folgenden Stellen überarbeitet werden:

  • Wiederherstellung der Direktverbindung nach Berlin und an die Ostsee mittels Durchbindung der Linien FR 16.a und FR 3 in Leipzig
  • Beschleunigung der Fahrzeit am Südende der Linie FR 16.a um mindestens 5 Minuten zur Anschlussgewährung Richtung München in Nürnberg
  • Wiederherstellung der Direktverbindung nach Dresden in einem Integrationskonzept mit den Linien FR 36.a und E 1 TH/E 3 TH (Halbstundentakt Erfurt – Gera) sowie FR 4 und E 3 SA (Halbstundentakt Chemnitz – Dresden)
  • Herstellung besserer Anschlüsse zwischen Fern- und Nahverkehr in Jena (IC-Knoten) und Saalfeld

Unabhängig davon sollte geprüft werden, ob die Durchbindung der Linie FR 36.a aus der Line FR 36 unter den gegebenen Rahmenbedingungen noch sinnvoll ist. Standzeiten von rund einer Viertelstunde in Erfurt und Eisenach sowie eine Fahrzeit von gut 6 Stunden bis Köln und Aachen sind für die Gesamtrelation wenig attraktiv, wenn die Reisezeit dorthin über den in Frankfurt/Main geplanten Fernbahntunnel gut 2 Stunden kürzer ist. Hingegen wäre eine Direktverbindung nach Frankfurt/Main für die stark international ausgerichtete Stadt Jena verkehrlich viel relevanter und würde auch der Entwicklung der tendenziell strukturschwachen Region Ostthüringen/Westsachen mit den Großstädten Gera, Chemnitz und Zwickau zugutekommen.

Wie geht es nach dem 3. Gutachterentwurf weiter?

Obwohl der 3. Gutachterentwurf ursprünglich das „Endkonzept“ des Zielfahrplans sein sollte, wurde im Rahmen der Vorstellung eine weitere Konsultationsphase angekündigt. Diese ist angesichts der Verschlechterungen und neuer Unstimmigkeiten auch dringend nötig.

In Rahmen des Lenkungskreises IC-Knoten Ostthüringen haben sich die beteiligten Fachplaner der DB AG, des Landes Thüringen und der Stadt Jena im Frühjahr auf ein alternatives, noch aus dem 2. Gutachterentwurf abgeleitetes optimiertes Fahrplankonzept verständigt. Dieses Konzept ist auch im 3. Gutachterentwurf umsetzbar. Es wurde den Planern des Deutschland-Taktes zwischenzeitlich offiziell übergeben, jedoch – bedingt durch die Corona-Pandemie – erst unmittelbar vor der Veröffentlichung des 3. Gutachterentwurfs. Es konnte daher im 3. Entwurf nicht mehr berücksichtigt werden; im Rahmen der nun folgenden Konsultationsgespräche werden wir jedoch auf die Einarbeitung drängen.

Kategorien: Aktuelles